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Breitband: Hälfte der Haushalte könnte Gigabit-Internet bestellen

von Konstantin Matern
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Im Bereich der Highspeed-Zugänge schreitet der Breitbandausbau laut einer Studie des VATM schneller voran. Die Zahl der verfügbaren Gigabit-Anschlüsse steigt und gleichzeitig fallen die Preise für die Internetleitungen überraschend. Trotzdem entscheiden sich viele Haushalte eher für die günstigeren Tarife mit geringen Datenraten.

Bis zum 2. Halbjahr 2020 sollen 24 Millionen Haushalte in Deutschland einen Anschluss mit einer Datenrate von 1 Gbit/s bestellen können. Das sind fast ein Drittel mehr als Ende 2019. Ermittelt hat das die 2. Gigabit-Studie vom VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten).

Größter Anteil an Anschlüssen mit 1 Gbit/s über Koaxialkabel

Trotz Coronavirus stieg im ersten halben Jahr die Zahl der echten Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude um 14,7 Prozent (610.000). Dabei hat Vodafone mit seinen Kabelnetzen einen großen Anteil. Über sogenannte Hybrid-Fiber-Coax-Netze (Breitbandkabel) nutzen die DOCSIS 3.1-Technik. Dadurch sind diese gigabitfähig und das sind nicht gerade wenige: 19,25 Millionen sollen es bis zum 2. Halbjahr 2020 sein.

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Im Vorteil sind Kabelanbieter. Sie können bestehende Koaxialnetze nutzen und diese auf DOCSIS 3.1 aufrüsten. Dadurch wird die Geschwindigkeit erhöht ohne kostenintensive Tiefbauarbeiten durchführen zu müssen. Unser Speedtest-Vergleich zeigte bereits, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit bei Internetverträgen via Kabel höher liegt als bei DSL-Anbietern.

Eine andere Variante für Gigabit-Anschlüsse in Deutschland sind sogenannte FTTB-/FTTH-Glasfaseranschlüsse. Bei den Glafaserzugängen geht die Glasfaser bis zum Gebäudekeller (FTTB) oder sogar zur Wohnung (FTTH). Für die Studie war es unerheblich, ob Endkunden einen Vertrag abgeschlossen haben oder nicht.

Haushalte teils mit Gigabit-Internet überversorgt

Trotz der positiven Entwicklung bleibt das von der Politik gesetzte Gigabit-Ziel unrealistisch. Dieses sieht vor für alle Haushalte bis 2025 Gigabit-Internet verfügbar zu machen. Noch immer warten viele Internetnutzer in Deutschland auf die von der Bundesregierung versprochenen 50 Mbit/s. Das Ziele wurde bereits für 2018 gesetzt.

Umso ärgerlicher dürfte für die unterversorgten Privathaushalte sein, dass wiederum andere Haushalte überversorgt sind. So können sich 2,61 Millionen Haushalte aussuchen, ob sie Gigabit-Internet über einen richtigen Glasfaseranschluss (FTTH/FTTB) oder Kabel (DOCSIS 3.1) buchen.

Wenige Endkunden wollen Gigabit-Internet

In der Realität nutzen Endkunden aber nur einen Bruchteil der Anschlüsse. Laut dem Herausbringer der Studie und Telekommunikationsexperten Prof. Dr. Torsten J. Gerpott sind mehr als 6 Millionen Gigabit-Zugänge aktiv. Das Verhältnis nennt man “Take-Up-Rate”. Wie gering der Bedarf zu sein scheint, merkt man an den Zahlen Ende 2019. Bereits dann waren 5 Millionen Gigabit-Anschlüsse aktiv.

Gigabit-Anschlüsse in Deutschland – Vergleich 2019 und Juni 2020

Im Kabelnetz liegt der Anteil bei nur 22,8 Prozent. Dagegen haben bei den echten Glasfaser-Tarifen immerhin 34,7 Prozent der Haushalte auch einen Gigabit-Tarif gebucht.

Wie viele Endkunden haben Gigabit-Internet bei der Telekom?

Noch krasser und auffälliger ist es beim größten Internetanbieter in Deutschland – der Telekom. Nur 1,77 Millionen theoretische Gigabit-Anschlüsse hat das Unternehmen. Extrem gering sind die aktiv genutzten Leitungen. Sie liegen bei nur 305.000.

Anteil der aktiven Glasfaseranschlüsse bei Telekom und Wettbewerbern im Vergleich

17,2 % der Gigabit-Anschlüsse bei der Telekom gebucht.
45,1 % der Gigabit-Anschlüsse bei regionalen Glasfaseranbietern gebucht.

Bei Konkurrenten der Telekom, die in Glasfaserleitungen investieren, sieht es anders aus. 45,1 Prozent der möglichen Gigabit-Anschlüsse sind gebucht. Das mag daran liegen, dass die regionalen Glasfaser-Anbieter auf dem Land die einzige Möglichkeit für viele Haushalte sind einen schnellen Zugang ins Internet zu erhalten.

Warum ist die Coronakrise eine Chance für den Breitbandausbau?

Für den Breitbandausbau könnte die Coronakrise eine Chance sein. An ihr sieht man wie wichtig Digitalisierung und Gigabit-Ausbau sind. Befürchtungen, dass wegen dem erhöhten Datenvolumen durch Home-Office in der Coronakrise das Internet zusammenbrechen könnte, wurden nicht wahr. Stattdessen stockten Behörden und Unternehmen die Bandbreite auf. Für optimal laufendes Homeoffice und Online-Dienste buchten auch viele Privathaushalte schnellere Anschlüsse.

Preise für Gigabit-Internet fallen

Vor einem Jahr mussten Internetnutzer über 100 Euro für einen Glasfasertarif zahlen. Sogar für Gigabit über Koaxialkabel mussten pro Monat ein hoher zweistelliger Betrag geleistet werden. Dagegen sind die Preise für Gigabit-Leitungen gerade in den letzten Monaten stark gesunken.

Allen voran hat Vodafone mit dem Tarif CableMax 1000 einen Preiskracher auf den Markt gebracht. Aktionsweise wurde der Gigabit-Anschluss für knapp 40 Euro pro Monat angeboten. Es folgten auch beim großen Wettbewerber, der Telekom, Preissenkungen. Letztere bietet ein gegenüber Netzüberlastungen stabileres Netz mit höherem Upstream (500 Mbit/s). Dafür zahlen Kunden derzeit mit knapp 80 Euro fast den doppelten Preis für Gigabit-Internet.

Gigabit-Internet bei Vodafone

Derzeit liegt der Tarif “Red Internet & Phone 1000 Cable” bei niedrigen 19,99 €/Monat. Ab dem 7. Monat fallen nur 49,99 €/Monat (statt 69,99 €) an. Diesen Aktionspreis gab es sonst nur bei Einführung des Tarifs Ende 2018.

Jetzt Verfügbarkeit checken Anbieter im Vergleich

DSL-Provider 1&1 hat ebenfalls die Preise gesenkt. Der Anbieter nutzt bei seinem Tarif Leitungen regionaler Anbieter wie RKOM (Bayern), wilhelm.tel (Schleswig-Holstein und Hamburg) oder comingolstadt in Ingolstadt. Beim günstigen Anbieter zahlen Kunden für den Internetanschluss mit 1.000 Mbit/s Downstream (200 Mbit/s Upstream) in den ersten zehn Monaten 40 Euro, danach 70 Euro. Mehr zu 1und1 Glasfaser.

Weiterführende Literatur & Weblinks

  • [1] https://www.vatm.de/wp-content/uploads/2020/04/VATM_Gigabit-Studie_290420_.pdf

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