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EU-Kommision genehmigt Unitymedia-Übernahme – Was bedeutet es für Verbraucher?

von Konstantin Matern
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Die EU-Kommission hat der Übernahme der “Liberty Global”-Netze in Deutschland zu gestimmt. 18,4 Milliarden Euro schwer soll die Übernahme von Unitymedia durch Vodafone sein. Bereits Mai hatte der Netzbetreiber aus Düsseldorf die Übernahme angekündigt und auf die Freigabe aus Brüssel gewartet. Damit dürfte der Kabelnetzbetreiber ein ernst zu nehmender Konkurrent für die Deutsche Telekom werden.

Unter Auflagen hat die EU-Kommission am heutigen Tag der Übernahme von Unitymedia durch Vodafone zugestimmt. In Deutschland dürfte dies ein grundlegender Wandel des Telekommunikationsmarkts werden. Während lange Zeit sich drei Kabelanbieter das Kabelnetz in Deutschland geteilt haben, ist es bald nur noch ein Kabelanbieter.

Kurzer Rückblick: Aus drei mach einen

Einst teilten sich Kabel BW, Unitymedia und Kabel Deutschland den Kabelmarkt auf. Liberty Global übernahm neben Unitymedia auch Kabel BW. Später stampfte Vodafone die Marke Kabel Deutschland ein. Nun wird Vodafone auch Unitymedia übernehmen und damit den Großteil des Kabelmarktes in Deutschland unter eigenem Namen vermarkten.

Im Frühjahr 2018 kündigte Vodafone an die Kabelnetze von Liberty Global übernehmen zu wollen. In Deutschland ist Liberty Global vor allem unter dem Namen Unitymedia tätig. Insgesamt soll die Übernahme auch in Tschechien, Ungarn und Rumänien für 18,4 Milliarden Euro ablaufen. Kritiker – vor allem die Deutsche Telekom und Telefónica sahen der Fusion kritisch entgegen.

Vodafone Kabel-Netz Übernahmen

Vodafone Kabel-Netz Übernahmen

Gerade in den vergangenen Jahren hat sich das Fernsehkabel zu einem beliebten Zugangsmedium für den Internetanschluss entwickelt. Immer mehr Haushalte wissen um die Vorteiel des TV-Kabels für Breitband-Internet. Bis zu 1 Gbit/s kann ein solcher Internetanschluss schnell sein und ist damit gleichwertig mit einem FTTH-Anschluss (Fiber-to-the-Home). Bei FTTH muss das Haus aber mit einer Glasfaserleitung angebunden sein. Das ist finanziell für die meisten Haushalte nicht stemmbar bzw. oft nur in Neubaugebieten.

Welche Auflagen gibt es für Vodafone?

So ganz ohne Auflagen wird die Übernahme auch nicht ablaufen. Als Bedingungen gab die EU-Kommission an, dass Kunden weiterhin von fairen Preisen, innovativen Produkten und exzellenten Dienstleistungen profitieren sollen. Damit der Wettbewerbsdruck weiterhin gesichert bleibe, muss Vodafone weiterhin anderen Unternehmen den Zugang zum Kabelnetz ermöglichen. Konkret spricht man hier von Telefónica.

Vodafone hatte ein Eingeständnis gemacht und will das deutsche Kabelnetz dem Konkurrenten Telefónica (o2) öffnen. Wer etwas weiter denkt, wird schnell feststellen, dass damit die Telekom geschwächt wird. Derzeit mietet Telefónica nämlich für seine Breitbandkunden das Telekom-DSL-Netz. Später kann Telefónica auch das TV-Kabelnetz von Vodafone verwenden.

Telefónica Kabel-Internet wird langsamer

Damit Telefónica o2 Vodafone nicht zu gefährlich wird, hat Vodafone Einschränkungen vorgesehen. Die Anschlüsse werden nicht wie im eigenen Netz möglich mit Gigabit-Geschwindigkeit vermietet, sondern mit einer maximalen Geschwindigkeit von 300 Mbit/s deutlich langsamer. Den meisten Haushalten dürfte derzeit ein solcher Internetanschluss aber ausreichen (siehe Welche Internetgeschwindigkeit brauche ich?).

Wie stark wird Vodafone im Telekommunikationsmarkt?

Vodafone stärkt die eigene Position auf dem Telko-Markt enorm. Alleine die Anzahl an TV-Kunden verdoppelt sich von 7,7 auf 14 Millionen nahezu. Auch die Anzahl an Internetkunden steigt von 6,5 auf 10 Millionen. Damit wäre Vodafone zweitgrößter Festnetzanbieter in Deutschland. Etwa 80 Prozent des deutschen Kabelmarktes würde durch die Übernahme von Unitymedia dann Vodafone gehören. Es würde dann nur einige eher kleine Kabelanbieter geben, wie unsere Liste unter “Internetanbieter in Deutschland” zeigt.

40
Telekom 40 % Marktanteil

Auf dem Breitbandmarkt hält die Telekom einen Marktanteil von 40 Prozent. Mit der Übernahme wird Vodafone erstmals ihr Kabelangebot bundesweit machen können. Das ging bei den Kabelgesellschaften vorher nicht.

30
Vodafone 30,3 % Marktanteil

Die Marktanteile an Breitbandanschlüssen in Deutschland liegen derzeit bei Vodafone (19,9 Prozent) und Unitymedia  (10,4 Prozent). Nach der Übernahme wird Vodafone auf einen gemeinsamen Anteil von etwa 30,3 Prozent kommen.

Vodafone hat ein Versprechen gegeben und will in den nächsten drei Jahren 25 Millionen Haushalte mit Gigabit-Internet versorgen. Dieses Versprechen könnte der Anbieter nun tatsächlich wahr werden lassen. Davon ist Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter fest überzeugt. Zuletzt vermeldete der Anbieter Gigabit-Geschwindigkeit für 6 Mio. Haushalte freigeschaltet zu haben.

Was sagen die Wettbewerber zur Übernahme von Unitymedia?

Die Branche ist etwas in Aufruhr. Konkurrenten – allen voran die Telekom – sehen die Vodafone wird damit etwa ein Drittel des Breitbandmarktes im Telekommunikationsmarkt halten.. Durch die Fusion wird kein einziger Breitbandanschluss geschaffen. Gerade im ländlichen Raum sind die Breitbandzugänge aber umso wichtiger, so die Telekom.

Ferner wird der Glasfaserausbau in Deutschland weiter gebremst. In den Kabelgebieten entstehen Kabelmonopole in denen sich regionale Anbieter mit Glasfaser-Technologie kaum behaupten werden können. So bleibt der Markt in solchen Gebieten der Telekom und weiteren Anbietern in der Branche weitestgehend verschlossen.

Wer sieht die Übernahme kritisch?
  • Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko): “Verhindert zukunftssicheren Glasfaserausbau.”
  • Deutsche Telekom “Weniger Mieteinnahmen für DSL-Anschlüsse.”
  • Universität Duisburg-Essen: “Weniger Wettbewerbsdruck im Endkundenmarkt für Festnetz-Breitbandanschlüsse”

Mit der Übernahme dürften sich die Umsätze bei der Telekom bald verringern. Der Grund: Derzeit mietet Vodafone in den drei Bundesländern in denen Unitymedia aktiv ist, die Leitungen der Telekom. Nach der Übernahme dürfte Vodafone die Kunden auf die Kabelangebote lenken, um sich so Mietausgaben zu sparen. Für die Telekom würde das einen Senkung der Mieteinnahmen bedeuten.

#GigabitRepublik: Ultraschnelles Breitband, Mobilfunk, TV und Entertainment aus einer Hand, einfach und günstig. Das sind die Visionen, die Vodafone jetzt umsetzen will.

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Was können die Konkurrenten tun? Sie haben jetzt die Chance gegen die Übernahme zu klagen. Zunächst werden sie hierfür vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) und dann beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) klagen müssen. Die Telekom werde die Entscheidung der EU-Kommission genau analysieren und dann entscheiden, heißt es beim einstigen Monopolisten.

Unsere Meinung zur Übernahme: Grundsätzlich positiv ist, dass es bald nur noch einen großen Kabelnetzbetreiber gibt. Für Verbraucher war es teils verwirrend in welchem Bundesland wer aktiv war. Das dürfte sich bald ändern. Außer in regionalen Gegenden, wo kleine Kabelnetzbetreiber aktiv sind, werden bald Kabelangebote bundesweit von Vodafone beworben. Fraglich ist, ob die Preise dadurch so bleiben oder noch weiter sinken können. Wenn es weniger Konkurrenz gibt, leiden häufig die Verbraucher. Daher haben wir auch etwas Sorgen bezüglich der Übernahme.

Weiterführende Literatur & Weblinks

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