"Zuhause Plus" gestartet

Vodafone stampft die Marke Kabel Deutschland ein

Für rund 11 Milliarden Euro wurde die Marke Kabel Deutschland von Vodafone vor einem Monat übernommen. Die Marke wird nun eingestampft. Bereits jetzt vermarkten beide EX-Wettbewerber Ihre Angebote gemeinsam. Dafür gibt es eine neue Submarke: Unter “Zuhause Plus” bietet zukünftig die neue Allianz Angebote aus Mobilfunk, Breitband-Internet und Festnetz-Telefonie an.

Vodafone Netzoffensive: Bundeskanzlerin

Auf der CeBIT stellt hier Vodafone Deutschland Chef Schulte-Bockum und Vodafone CEO Vittorio Colao der Bundeskanzlerin Angela Merkel die Netzoffensive des Unternehmens vor (Bild: Vodafone)

Wer jetzt in einen Vodafone-Laden geht, bekommt als Verbraucher dort Produkte von Kabel Deutschland – und andersherum. Das sind mehr als 600 Vodafone-Filialen in denen es nun Kabel-Breitband und Kabel-TV gibt. Gleichzeitig verkaufen die Kollegen mit den Kabelanschlüssen in eigenen Shops ab sofort Handys und Mobilfunkverträge von Vodafone.

“Vodafone Deutschland”-Geschäftsführer Jens Schulte-Bockum hat ein Ziel: Er will gemeinsam mit Kabel Deutschland den Breitbandmarkt aufmischen und der Telekom Kunden abgreifen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Denn Anschlüsse über Fernsehkabel sind schneller und günstiger. Für die mehr als 10 Milliarden Euro muss Vodafone einige Kunden für sich gewinnen. Andernfalls verliert der Geschäftsführer die Wette um das Kabel.

Vodafone will ähnlich wie die Telekom alles aus einem Hause anbieten. Der zukünftige Vollsortimenter will alles für Unterhaltung und Kommunikation anbieten – sowohl Zuhause, als auch von unterwegs. In der nächsten Zeit wird es weiterhin zwei getrennte Marken geben. Das Gelb von Kabel Deutschland bleibt, wird aber zunehmend zum typischen Vodafone-Rot und irgendwann ganz verschwinden. Bereits jetzt prangert “Zuhause Plus” auf Informationsbroschüren von Vodafone.

Vodafone zahlt hohe Millionenbeträge für Mietleitungen an Telekom

Wissenswertes

Pro angemeldete Teilnehmer-Anschlussleitung muss Vodafone 10,19 Euro pro Monat an die Telekom zahlen.

In den letzten Jahren hatte Vodafone vor allem das Festnetzgeschäft stark vernachlässigt. Heute hat der Konzern nur noch 3 Millionen DSL-Anschlüsse. Im Vergleich dazu ist die Telekom mit ihren gut 12 Millionen Kunden für Breitband und Telefonie weit vorne. Ein weiterer Punkt ist, dass Vodafone per Miete Leitungen der Telekom für die letzte Meile in die Haushalte in Anspruch nimmt. Schulte-Bokum findet die Mietpreise deutlich zu hoch. Jedes Jahr kommen 400 Millionen Euro an Mietkosten. Nach Übernahme von Kabel Deutschland will Vodafone alles daran zu setzen die eigenen DSL-Kunden davon zu überzeugen, dass das Fernsehkabel von Kabel Deutschland besser sei. Laut Schulte-Bokum sollen so zweistelligen Millionenbeträge jedes Jahr eingespart werden können. Für Kunden positiv ist, dass das Fernsehkabel deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten bei günstigeren Monatspreisen bietet.

Vodafone will keine Preise senken

Neue Kunden will Vodafone zusammen mit Kabel Deutschland ebenfalls für sich gewinnen. Von einer Million Neukunden ist die Rede. Nicht berücksichtigt sind natürlich abgehende Kunden (Kündigungen), die es jedes Jahr sowieso gibt. Für die Telekom ist das eine Ansage. Sie will das eigene Netz weiter ausbauen und denkt über günstigere Tarife nach. Vodafone will die Preise nicht senken. Warum auch? Kabel Deutschland hat in den 13 von 16 Bundesländern rund 8 Millionen Kunden. Etwa 2,3 Millionen davon nutzen den TV-Kabelanschluss auch zum Surfen und Telefonieren. In 2013 gab es 300.000 Neukunden.

Kein eigenes Netz hat Vodafone nach wie vor in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. In diesen Bundesländern ist Kabel Deutschland nicht vertreten. Daher bleibt den Düsseldorfern nichts anderes als weiterhin mit der Telekom zu kooperieren und Leitungen zu mieten. Möglich wäre die Übernahme von KabelBW. Am finanziellen dürfte es nicht scheitern: Seit dem Verkauf von Verizon schwimmt die britische Muttergesellschaft in Geld. Kartellrechtlich gäbe es aber (noch) keine Zustimmung für eine Übernahme.

Sowohl Vodafone als auch Telekom haben optimistische Wachstumsziele. Bleibt abzuwarten, welches Unternehmen diese besser in die Tat umsetzen kann. Zumindest Vodafone kann 600.000 Kunden davon überzeugen statt DSL das Kabelnetz zu nutzen. Das spart zig Millionen Euro – Jahr für Jahr.

Unsere Meinung: Wir dürfen gespannt sein wie sich der Markt entwickelt. Vodafone könnte demnächst günstigere Internettarife anbieten. Möglich wäre aber auch eine Preiserhöhung für Internet- und Telefonie-Flatrates. Zum Konkurrenten Telekom ist nämlich noch Luft. Bleibt der Preis für Breitband-Internet über das Kabelnetz, dürfte sich Vodafone über Neukundenzuwachs im Festnetzgeschäft freuen.

Geschrieben von

2007 hat Konstantin seine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration bei einem großen Telekommunikationsanbieter abgeschlossen. Er ist Betreiber der Webseite DSLregional.de.

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