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TDSL verspricht 1 Terabit/s schnelles Internet per Kupferkabel

15. Mai, 2017 | 08:50 Uhr |

Mit einer neuen Erfindung TDSL (Terabit DSL) bei der DSL-Technologie will DSL-Erfinder John Cioffi auf den letzten 100 Metern zwischen Verteilerkasten und dem DSL-Kunden eine Übertragungsrate von 1.000 Gbit pro Sekunde erreichen. Dazu will er Luftspalte in den Telefonkabeln nutzen.

TDSL Kabel Querschnitt

TDSL Kabel Querschnitt

Bislang gelten Kabel-TV-Anschlüsse als Internetanschlüsse mit der höchsten Bandbreite, wenn kein Glasfaseranschluss vorhanden ist. Bis zu 400 Mbit/s können Internetanbieter über Koaxialkabel bereitstellen. DSL-Anbieter hinken mit bis zu 100 MBit/s und der Vectoring-Technik hinterher. Hoffnungen macht G.Fast mit bis zu 1 Gbit/s – doch noch ist die Technik nicht so weit. Die neue DSL-Technik von John Cioffi könnte den Durchsatz um den Faktor 10.000 auf stolze 1.000 Gbit/s katapultieren. Dabei liegen die Kosten deutlich niedriger als bei Glasfaser. Anbieter lassen sich mit der Anbindung eines Hauses per Glasfaser mit 4.000 US-Dollar bezahlen. Beim Anbieter „Deutsche Glasfaser“ werden etwa 750 Euro fällig wie wir berichteten. Bei TDSL wären je Haushalt nur etwa 200 US-Dollar fällig. Vorgestellt hatte John Cioffi sein Konzept von TDSL auf dem Fachkongress G.fast Summit.

TDSL nutzt Luft zwischen Kabeladern

Neu an der Technik ist: Das Signal wird jetzt, nicht wie bisher über das Kupfer in den Telefonkabeln, sondern vor allem über den Luftspalt zwischen den einzelnen Kupferadern übertragen. Wie das geht? John Cioffi will dazu ein hochfrequentes Signal (100 bis 300 GHz) als Welle über die Luft im Kabel übertragen. Die Zwischenräume dienen als Trägermedium. Dabei können, je nachdem wie viele Luftspalte im Kabel sind, auch mehrere Signale parallel übertragen. Ähnlich wie bei der MIMO-Technologie soll TDSL die Kupferleitung als Antenne nutzen.

10 Gbit/s bei 500 Metern Leitungslänge

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Aber auch mit der neuen TDSL-Technik werden die die 1 Tbit/s Datengeschwindigkeit nicht auf allen Strecken erreicht. Ähnlich wie beim herkömmlichen (A)DSL sind ab 100 Metern Leitungslänge einbußen zu verzeichnen. Ab 500 Metern zwischen Verteiler und Anschluss dürfe die Internetgeschwindigkeit laut Cioffi „nur“ noch bei 10 Gbit/s liegen. Damit würde TDSL gleichauf mit Glasfaser liegen. Dieses hat zwar nach vielen Kilometern Leitungslänge immer noch eine nahezu gleichbleibende Geschwindigkeit, allerdings werden in der Praxis bei den Glasfaser-Anbietern nur Internetanschlüsse mit maximal 10 Gbit/s geschaltet. Warum? Weil es vor Ort oftmals keine Konkurrenz für die Glasfaser-Anbieter gibt und diese es nicht für erforderlich halten noch schnellere Glasfaserzugänge anzubieten.

Aktuelle Hardware noch zu langsam für TDSL

Noch gibt es aber einige Stolpersteine bis TDSL breit für die Masse ist. Bisher ist die Hardware noch nicht vorhanden. Analog-Digital-Wandler erreichen bisher nur 120 GHz – erforderlich sind aber 200 GHz. Ferner muss einiges an Rechenleistung vorhanden sein, um das TDSL-Signal verarbeiten zu können. Erfreulich ist aber, dass bereits jetzt aktuelle Grafikkarten (GPUs) beinahe jetzt schon genügend Leistung aufbringen. Wird TDSL der Nachfolger von VDSL und ADSL?

Quellen:

Geschrieben von

2007 hat Konstantin seine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration bei einem großen Telekommunikationsanbieter abgeschlossen. Er ist Betreiber der Webseite DSLregional.de.

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