Langsames DSL: AG München ermöglicht außerordentliche Kündigung

14. April, 2015 | 10:41 Uhr |

Eines der größten Ärgernisse beim Internetanschluss ist, wenn die Leitung zu langsam ist. Bilder werden dann langsam geladen, Webseiten bauen sich im Schneckentempo auf und Videos ruckeln. Wer will das haben? Niemand! Das Amtsgericht München hat nun in einem Urteil die außerordentliche Kündigung befürwortet, wenn der angebotene Internetzugang die Maximalgeschwindigkeit deutlich unterschreitet.

Sonderkündigungsrecht Internet

Sonderkündigungsrecht Internet: DSL zu langsam? Dann können Sie eventuell kündigen


Provider berufen sich auf die AGB und Leistungsbeschreibungen, wenn sich Kunden wegen lahmen Internetgeschwindigkeiten beschweren. Vor dem Amtsgericht München wurde am 07. November 2014 ein Urteil (Az.: 223 C 20760/14) gefällt, welches eine außerordentliche Kündigung ermöglicht, wenn die versprochene Bandbreite nicht erreicht wird. Im konkreten Fall hatte ein Kunde einen Tarif mit „bis zu“ 18 Mbit/s gebucht. Neun Monate nach Vertragsabschluss kündigte er dann aber mit viermonatiger Frist seinen Vertrag vorzeitig. Seine tatsächliche Bandbreite war seinen Aussagen nach 60 bis 70 Prozent langsamer als vertraglich vereinbart. Seitens des Providers gab es sogar eine schriftliche Bestätigung über eine zu lange Leitung bei der keine höhere Bandbreite möglich sei. Eine Kündigung wollte der Anbieter aber nicht akzeptieren – daher kam es zur gerichtlichen Verhandlung.

Internet mit nur 5,4 bis 7,2 Mbit/s statt 18 Mbit/s

Der Richter des AG München entschied, dass die Kündigung berechtigt war. Zwar muss der Provider nicht dauerhaft die vereinbarten 18 Mbit/s bereitstellen, allerdings muss die Geschwindigkeit mindestens zeitweise eine zweistellige Zahl erreichen. Dem Provider half auch nicht, dass in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von einer Bandbreite mit „bis zu 18 Mbit/s“ die Rede ist. Als Begründung gab der Richter an, dass Kunden, die einen Vertrag abschließen nicht davon ausgehen müssen eine um 60 bis 70 Prozent verminderte Leistung tatsächlich erbracht wird.

Was tun? Speedtest -> Nachbesserung einfordern -> Kündigen

Drei Schritte sollten Kunden tun, die meinen zu langsames Internet (im Vergleich zur Maximal möglichen Geschwindigkeit) zu haben. Zunächst sollte ein Speedtest gemacht werden. Einen solchen DSL Speedtest bietet DSLregional zum Beispiel kostenlos an, kann aber auch bei den meisten Providern durchgeführt werden. Liegen die Werte bei 30 bis 40 Prozent der maximal möglichen Bandbreite, so sollte Kontakt mit dem Internetprovider aufgenommen werden. Machen Sie Ihn darauf aufmerksam, dass die vereinbarte Surfgeschwindigkeit deutlich unterschritten wird und fordern Sie eine Nachbesserung. Kommt der Internetanbieter der Forderung nicht nach, könnte eine Sonderkündigung in Angriff genommen werden.

[Foto: #72942835 – Nutzen Sie ihr Sonderkündigungsrecht© Zerbor – Fotolia.com]

Geschrieben von

2007 hat Konstantin seine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration bei einem großen Telekommunikationsanbieter abgeschlossen. Er ist Betreiber der Webseite DSLregional.de.

Ein Kommentar

  1. Guten Tag, ich habe einen Anschluss von 16Mbit bei 1&1b,als ich diesen Abschloss war bekannt das ich nie diesen erhalte …im Schnitt 6,5 Mbit laut Fritzbox immer konstant 8,2 Mbit..was kann ich da tun , die Telekom biete auf diesen Anschluss mehr an.

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