LAN-/Internet-Verkabelung im Neubau: Empfehlungen für Bauherren

Der Traum vom Eigenheim – er wird wahr. Zahlreiche Entscheidungen stehenden Bauherren vor oder während der Bauphase bevor. Neben der allgemeinen Raumaufteilung kommt irgendwann die Elektroplanung. Bestandteil von dieser ist auch die LAN-Verkabelung. Es muss entschieden werden welche Kabel verwendet werden, welche Zugangstechnik in Frage kommt oder etwa wo die LAN-Dosen gesetzt werden. Wir von DSLregional.de haben daher einen Ratgeber für Sie zusammengestellt.

Unser Ziel: Was soll der Ratgeber?

Wir geben hier Tipps zur zeitgemäßen Verkabelung eines Heimnetzwerks in einem Neubau. Auf ein Bussystem (z.B. KNX) im Sinne der Heimautomatisierung gehen wir hier nicht ein, da dieses einen weiteren Schritt komplexer ist. Mit unserem Ratgeber sollten Sie auf ein Gespräch mit dem Elektriker vorbereitet sein und bereits grob einschätzen können, wie Sie die LAN-Verkabelung im Haus haben möchten.

1. LAN-Planung mit dem Elektroinstallateur

Elektroplanung

Elektroplanung: So sieht ein Elektroplan vom Elektriker aus

In der Regel werden Sie in detailliertes Planungsgespräch mit dem Elektroinstallateur führen. Standard-Elektroinstallationen reichen oftmals in der heutigen Zeit nicht aus. Es wären zu wenig Steckdosen im Alltag vorhanden. Es gilt bereits jetzt einen preislichen Rahmen zu setzen und diesen dem Elektroinstallateur mitzuteilen. Der Elektroinstallateur wird sich Ihren Grundriss nehmen und einen detaillierten Elektroplan erstellen.

Von Vorteil ist es, wenn Sie bereits jetzt wissen wie die Zimmer genutzt werden und wo welche Möbel stehen werden. Wo werden beleuchtete Spiegel aufgehängt? Wo

1.1 Zugangstechnik: DSL, LTE- oder Kabel-Internet?

Im Grunde gibt es drei Zugangsarten zum Internet zwischen denen Sie sich entscheiden müssen. Satelliten-Internet lassen wir wegen der geringen Surfgeschwindigkeiten und hohen Latenzen außen vor. Ähnlich ist es bei LTE. LTE (4G) ist ein Mobilfunkstandard. Es handelt sich dabei um ein Funknetz und sollte von Ihnen nur in Erwägung gezogen werden, wenn die beiden anderen Zugangstechniken (DSL und Internet via Kabelanschluss) nicht in Frage kommen. Zum einen ist LTE bei gleichen Downstreams teurer als die kabelgebundenen Lösungen und zum anderen kann es – ähnlich wie beim WLAN – wegen Störungen zu schlechten Verbindungen und unzuverlässigen Datenübertragungen kommen. Dennoch ist im ländlichen Bereich LTE oft die einzige Variante, um Highspeed-Internet zu bekommen. Die schnellsten Internetanschlüsse sind über Kabelanschlüsse realisierbar. Sie bekommen (Stand November 2015) bei den Kabelanbietern Kabel Deutschland (Vodafone), Unitymedia oder Tele Columbus je nach Standort bis zu 200 Mbit/s im Download. Leider ist der Ausbau des Kabelnetzes für die Provider im ländlichen Bereich oft nicht wirtschaftlich. In dem Fall bleibt Ihnen nur die Wahl eines traditionellen Internetanschlusses über die Telefonleitung (ADSL/VDSL). Aber selbst ein VDSL-Anschluss kann bis zu 100 Mbit/s schnell sein. Für die meisten Anwendungen (HDFernsehen / Streaming, Gaming, schnelle Downloads) reichen heute 50 Mbit/s völlig aus. Der Bau eines digitalen Kabelanschlusses oder das Legen einer Telefonanschlussleitung muss beantragt werden. Wie das geht, haben wir Ihnen nachfolgend zusammengestellt:

Digitalen Kabelanschluss beantragen:

  • Den digitalen Kabelanschluss beantragen Sie bei Ihrem Kabelnetzbetreiber. Vodafone (Kabel Deutschland) ist in den meisten Bundesländern aktiv. In Nordrhein-Westfalen und Hessen ist Unitymedia Ihr Ansprechpartner. Bei Vodafone etwa müssen Sie einen Online-Fragebogen ausfüllen und diesen zusammen mit Ihrem Lageplan des Grundstücks per E-Mail oder Post zusenden.
  • Der Anbieter erstellt eine Kostenkalkulation und entscheidet, ob überhaupt ein Kabelanschluss an Ihrem Wohnort möglich ist.
  • Sie senden das Angebot unterschrieben zurück.
  • 4 bis 6 Wochen später meldet sich ein Techniker und spricht das weitere Vorgehen ab.
  • Es finden Baumaßnahmen statt.

Hier die entsprechenden Informationsstellen:

Vodafone Kabel Deutschland Kundenservice
Baubetreuung
99116 Erfurt
Bau eines Kabelanschlusses bei Vodafone (Kabel Deutschland)
Bauherren-Hotline: (0800) 6648399

Nordrhein-Westfalen & Hessen
Unitymedia

Kundenservice Bauherren
Postfach 10 13 30
44713 Bochum
Telefon: 01806 / 663 700

Baden-Württemberg
Unitymedia BW

Kundenservice Bauherren
Postfach 90 01 31
75090 Pforzheim
Telefon: 01806 / 663 04 36
Bau eines Kabelanschlusses bei Unitymedia

Telefonanschluss beantragen:

  • Einen Internetanschluss/Hausanschluss über das Kupferkabel beantragen Sie bei der Deutschen Telekom AG telefonisch.
  • Die Telekom sendet Auftragsunterlagen zu. Diese müssen Sie ausfüllen und zusammen mit einem amtlichen Lageplan zurücksenden.
  • Die deutsche Telekom plant die Baumaßnahme und übergibt diese an eine ortsansässige Tiefbaufirma. Letztere setzt sich mit Ihnen kurz vor dem Start mit Ihnen in Verbindung.
  • Nach der Installation setzt sich die Telekom mit Ihnen in Verbindung.
  • Preis: Beim einstigen Monopolisten gibt es pauschale Preise. Bei einem Hausanschluss in Kombination mit dem Abschluss eines MagentaZuhause-Vertrags fallen kosten in Höhe von 399,95 EUR an. Wenn Sie keinen Tarif abschließen, verlangt die Telekom pauschal 599,95 EUR. (Stand November 2015)
Bauvorhaben Beratung der Telekom

Bauvorhaben Beratung der Telekom

Tipp von DSLregional.de: Oftmals arbeitet die Telekom mit einem regionalen Stromversorger (Grundversorger) zusammen. Dann ist es möglich die Telefonleitung zusammen mit der Stromleitung legen zu lassen. So spart man sich zusätzliche Baggerarbeiten.

Hier die entsprechende Informationsstelle der Deutschen Telekom AG:

Bauherren-Service-Hotline: 08003301903
Bauherrenservice der Telekom


1.2 Reicht WLAN aus?

Ein klares Nein! WLAN ist lediglich eine Ergänzung des Heimnetzwerks, um etwa mit Tablet oder Laptop vom Sofa aus zu surfen. Außerdem verbinden sich typischerweise Smartphones automatisch mit dem WLAN, um mobilen Datentraffic zu sparen. Im Neubau ist wegen der Betondecken bereits im 1.OG Schluss mit WLAN bzw. das Signal derart schlecht, dass Surfen keinen Spaß macht. Deswegen sollte – wenn möglich – im gesamten Einfamilienhaus auf LAN-Dosen und eine Verkabelung gesetzt werden.

Doppel-Netzwerkdose RJ45

Doppel-Netzwerkdose RJ45

1.4 Welche Netzwerkkabel, Netzwerkdosen und welche LAN-Geräte?

Im Neubau sollte die LAN-Verkabelung zukunftssicher gewählt werden. Das Ethernet in der Ausführung Twisted-Pair (verdrilltes Adernpaar) wird noch lange Zeit beibehalten. Die Abschirmungsqualität wird in Kategorien angegeben. Im Heimbereich können wir aktuell CAT6-Kabel empfehlen (mindestens aber CAT 5E). Damit lassen sich im Heimnetzwerk Daten mit bis zu 1 GBit/s übertragen. Das Cat-7-Kabel ermöglicht zwar bis zu 10 Gbit/s ist allerdings völlig überdimensioniert und es gibt derzeit kaum Netzwerkgeräte, die den neuen Steckertyp aufnehmen. Wer einen Adapter eines CAT7-Kabels auf RJ45 benutzt, kann die Reichweiten- und Geschwindigkeitsvorteile des CAT7-Kabels nicht mehr nutzen.

1.3 Wie viele Netzwerkdosen sollte man setzen lassen?

12 bis 16 Netzwerkdosen werden in einem normalen Einfamilienhaus in der Regel gesetzt. Um zukunftssicher zu bauen, empfehlen wir in jedem Raum eine CAT-Doppeldose. Auch Bad, Küche, Hauswirtschaftsraum, Schlafzimmer und Garage sollten ausgestattet werden. Zumindest sollten aber Leerrohre eingeplant werden, um nachträglich das LAN auszubauen. Sie möchten einen Beamer an der Decke fest installieren? Dann lassen Sie dort auch eine Netzwerkdose setzen lassen. Insgesamt kann der Bauherr mit mehreren hundert Euro Ausbaukosten für das Netzwerk rechnen.

Beispiel für ein EFH mit 2 Kindern:

Küche: 1 x Doppelport für eventuellen TV + 1 x Doppelport hinter Hochschränken
Wohnzimmer: je nach Größe und mögliche Positionen für Wohnwand 1 bis 2 x Doppelport
Arbeitszimmer: 3 x Doppelport
Flur/Diele: 1 x Doppelport
HWR: 1 x Doppelport
Kinderzimmer 1: 2 x Doppelport
Kinderzimmer 2: 2 x Doppelport
Wohnzimmer: 1 x Doppelport
Schlafzimmer: 1 x Doppelport
Spitzboden: 2 x Doppelport

In Bädern kann eventuell eine Netzwerk-Doppeldose ebenfalls sinnvoll sein – etwa um einen TV oder Musik-Player an das Internet/Heimnetzwerk anzubinden.

2. Durchführung: Rohbauarbeiten

Kabel im HWR eines Neubaus

Kabel im HWR eines Neubaus

Bei den Rohbauarbeiten fallen jede Menge Schmutz und Staub an. In das Mauerwerk werden vom Elektriker Kanäle geschlitzt. Die Kabel werden anschließend in die Kanäle gelegt und mit Elektrikergips fixiert. Alle Kabel enden im Technikraum. Im Neubau ist dies entweder ein Raum im Keller oder ein Hauswirtschaftsraum. Wie viele Kabel in etwa beim Neubau anfallen, kann man am Foto rechts ganz gut erkennen. Sobald alle Kabel verlegt sind, sollten Sie als Bauherr Raum für Raum durchgehen und die Anzahl an Dosen sowie die Positionen kontrollieren. Zu diesem Zeitpunkt können Sie bereits vor Ort sehen wie viele und wo die LAN-Dosen sitzen: Reichen Ihnen diese? Noch sind Änderungen ohne großen Aufwand möglich. Netzwerkkabel müssen am Boden in Schutzrohr gelegt werden. Außerdem sollten Sie sich überlegen Leerrohre in der Decke für die Netzwerkkabel verlegen zu lassen. So lassen sich beschädigte Netzwerkkabel nachträglich austauschen oder Kabel nachziehen. In den Wänden werden Netzwerkkabel in der Regel ohne Schutzrohr verlegt und verputzt. Machen Sie als Bauherr von jedem Raum und jedem Kabel in der Wand ein Foto. Das ist wichtig! Sind die Wände später verputzt, weiß man als Bauherr oft nicht mehr wo die Kabel verlaufen und kann z.B. beim Aufhängen eines Wandbilds ein Kabel anbohren.

3. Legen der Telekom-Leitung: Hausanschluss

Telefon-Leitung verlängern

Telefon-Leitung verlängern

Als Bauherr bereiten Sie bzw. Ihre Handwerker die Einführung der Telekom-Leitung ins Haus vor. Dazu wird üblicherweise ein 100er KG-Rohr in der Bodenplatte einbetoniert. Die Telefonleitung wird dann von außen unter dem Streifenfundament (ohne Keller) durch die Bodenplatte in den Technikerraum geführt. Auf unserem Foto kann man die Leitung erkennen. Leider war die Telekom-Leitung zu kurz und musste von der Tiefbaufirma verlängert werden. Das ist für einen schnellen Internetanschluss nicht gut, weil dadurch die Dämpfung steigt. Es ist also von Vorteil, wenn Sie als Bauherr vor Ort sind, um derartige Mängel bzw. Probleme zu erkennen, um später bei einer langsamen Internetleitung (siehe unser Speedtest) den Fehler eingrenzen zu können.

4. Fertigstellung der Elektroinstallation

1.TAE Dose

1.TAE Dose – Netzabschluss

Bei der Fertigstellung installiert der Elektriker Netzwerkdosen und legt die einzelnen Adern auf. Im Technikraum installiert der Elektriker jetzt in der Regel einen kleinen Serverschrank. Der Serverschrank beinhaltet in der Regel Patchfeld, Switch, Router, 1.TAE-Dose und andere Netzwerkgeräte. In unserem Fall (Foto rechts) befindet sich im Serverschrank z.B. noch ein NAS-Server. Die 1.TAE ist der Netzabschluss. TAE steht hierbei für “Telekommunikations-Anschluss-Einheit”. Sie ist eine spezielle NFN-Dose (auf- oder unterputz) mit der Aufschrift „1.“. Installiert werden kann sie entweder Aufputz an der Wand oder wie in unserem Fall versteckt im Serverschrank.

Patchfeld

Das Patchfeld nimmt alle Netzwerkkabel auf. Es sollte mindestens genau so viele Ports haben, wie man Netzwerkports im Haus hat. Außerdem muss die CAT-Kategorie (Abschirmung) der der Netzwerkkabel entsprechen (haben Sie z.B. Cat 5e-Kabel verlegt, sollten Sie ein Patchfeld mit mindestens Cat 5e verwenden. Im Gegensatz zu den Kabeln kann das Patchfeld in Zukunft aber auch noch ausgetauscht werden. Vom Elektriker werden die einzelnen Adern auf der Rückseite des Patchfelds mit einem LSA-Anlegewerkzeug aufgelegt. Mit einem Ethernet- bzw. Netzwerktester (siehe Amazon) prüfen Sie bzw. der Elektroinstallateur alle RJ45-Kabel auf Funktionsfähigkeit.

Preis: 30 bis 70 Euro (je nach Anzahl der Ports)

Patchfeld: Netzwerkkabel auflegen

Patchfeld: Netzwerkkabel auflegen

Internet-Router

Mit einem Patchkabel verbinden Sie den Switch auch mit einem Router. Der Router ist das Gerät, welches das heimische LAN mit dem Internet verbindet. Vom Internetanbieter gibt es das Gerät oftmals zur Verfügung gestellt. Sobald der Hausanschluss hergestellt ist, sollten Sie als Bauherr rechtzeitig einen Tarif bei einem der DSL-/Kabel-Internet-Anbieter abschließen, um rechtzeitig beim Umzug einen Internetanschluss nutzen zu können. Wir haben die Handbücher vieler Router in einer Liste zusammengestellt. Bei der Installation ist dieses hilfreich.

Preis: 50 bis 200 Euro (je nach Funktionsumfang)

Tipp: Optimaler Standort für Router

Wenn Sie den WLAN-Router im Serverschrank platzieren, ist das WLAN-Signal stark abgeschirmt. Ein Serverschrank wirkt hier als “faradayscher Käfig” und schwächt das Signal stark ab. Die optimale Position eines WLAN-Routers ist unter der (Beton-)Decke.

Fritzbox Internet-Router

Fritzbox Internet-Router – hier von 1&1

Switch

Ein Switch ermöglicht die Kommunikation zwischen den einzelnen Netzwerkgeräten. Diesen verbinden Sie mittels Patchkabel mit dem Patchfeld. Auch hier sollte die CAT-Kategorie der von Patchpanel und Netzwerkkabeln entsprechen. Ein Gigabit-Switch ist zeitgemäß (Stand Ende 2015). Die Anzahl an Ports muss nicht zwingend den Ports auf dem Patchfeld entsprechen. Oftmals reicht es im Einfamilienhaus aus einen etwas kleineren Switch zu nehmen, da nicht alle Ports gleichzeitig genutzt werden. Per Patchkabel kann man entsprechend die Netzwerkdosen anbinden. Hinweis: Bei größeren Switches (ab 48 Ports) müssen diese luftgekühlt werden. Im Einfamilienhaus ist das unserer Meinung nach unnötiger Lärm. Wählen Sie stattdessen einen passiv gekühlten Switch, der 0 dB Lärm erzeugt. Konkrete Tipps zu Modellen gibt es bei uns unter “Netzwerkgeräte Tipps für das Heimnetzwerk”.

Preis: 90 bis 300 Euro (je nach Anzahl der Ports)

24-Port Gigabit Switch

24-Port Gigabit Switch

Serverschrank

Ein Serverschrank nimmt alle Netzwerkgeräte im Technikraum auf. Größter Vorteil ist, dass das Netzwerk abschließbar ist und Kinder daran nicht rumspielen können. So einen Serverschrank kann man z.B. über den Elektroschrank – also unter die Decke – hängen, um Platz zu sparen. Im Serverschrank wird Strom benötigt (das bereits bei der Planung berücksichtigen!). Es sind mindestens je ein Stromanschluss für Router und Switch notwendig. Wer weitere Netzwerkgeräte wie NAS unterbringen will, braucht entsprechend mehr Steckdosen im Serverschrank. Als Größe für den Serverschrank empfehlen wir 19 Zoll. Dies ist ein Standardmaß und bietet ausreichend Platz. 6 HE (Höheneinheiten) sollten für den Privathaushalt ausreichen. Der Elektriker muss dafür sorgen, dass Schrank und Geräte geerdet sind. Es muss ein Erdungskabel vom Eletro-Schaltschrank an den Netzwerkschaltschrank geklemmt werden – Überprüfen Sie das!

Serverschrank im HWR

19 Zoll Serverschrank im HWR


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